Freitag, 27. August 2010

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!"
Reinhold Niebuhr

Der Leitspruch der AA und Al-Anon.

Vor 10 Jahren hat mein Begatterich einen Entzug und eine Therapie gemacht. Um ihn zu unterstützen und um auch selbst etwas Unterstützung zu bekommen, fing ich an, in die Al-Anon Gruppenabende zu gehen. Doch so richtig behagte es mir hier nicht. Starre Regeln und sektiererisches Gehabe stießen mich ab. Es war mir alles zu reglementiert und zu unpersönlich.

Ich erwartete, dass ich mich so richtig auskotzen konnte - was bestimmt auch möglich gewesen wäre - doch alleine die Tatsache, dass eine Diskussion gar nicht möglich war, lies mich doch zurückschrecken. Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, ein verbales Erbrechen wäre "ungezogen" gewesen. Hier herrschten leise, ruhige, abgeklärte Töne vor - und dabei war ich alles andere als ruhig und abgeklärt: in mir brodelte es, ich war verzweifelt und daran interessiert, mal mit irgendjemandem zu reden!

Erzählungen waren nur in streng festgelegter Reihenfolge und nach Wortmeldung mit Handhebung, wie in der Schule, möglich, Einwürfe und Zwischenfragen waren verboten, um den Erzählenden nicht zu unterbrechen. So hatten viele Fragen anschließend den Bezug verloren oder man hatte sie einfach vergessen.

Nach 5 oder 6 Abenden beschloss ich dann frustriert, mir diese Zeitverschwendung nicht mehr zu geben. Einen Abend hab ich als nächsten Versuch mit einer betroffenen Arbeitskollegin in der Kreuzbund-Gruppe verbracht - da waren mir zu wenig Angehörige und zu viel Trockene (oder auch nicht...) dabei, die erfahrungsgemäß ganz anders gelagerte Probleme haben, als dass ich für mich hätte etwas herausfiltern können.

Und so schleppe ich seit vielen Jahren nun viele unbeantwortete Fragen, viel schlechtes Gewissen und bestimmt viel Halbwissen mit mir herum. Ein echte Hilfestellung sieht bei mir anders aus - und ist meiner Ansicht nach auch für die Angehörigen extrem wichtig!

Was ich aber wirklich mitgenommen habe, ist dieser obige Leitspruch, der mir doch schon in einigen Lebenslagen geholfen hat!

...sagt Knubbel

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