Wie bescheuert bin ich eigentlich???!
Im Moment zerfleische ich mich mit Selbstvorwürfen, dass es nur so raucht. Warum lasse ich mich nur immer wieder so einwickeln…
Schon seit einiger Zeit habe ich nichts mehr geschrieben. Vielleicht wollte ich mir damit einfach nur ne heile Welt vorgaukeln…
Doch der Reihe nach:
Tagelang reden wir nichts miteinander und gehen uns aus dem Weg. Höchstens höre ich noch, wenn er sich mitten in der Nacht erbricht. Morgens bleibt er einfach liegen - sein Kater lässt auch nichts anderes zu. Als ich durch Zufall eines Abend meinem schwankenden Begatterich über den Weg laufe, platzt mir der Kragen. Ich sage ihm klipp und klar, dass ich die Trennung will, dass das Haus und der Camper verkauft werden und ich so schnell als möglich auch eine räumliche Distanz zwischen uns legen will. Keifend und spuckend gibt er mir in allen Punkten recht, denn: "Mit dir hält man es eh nur besoffen aus!"
Gut, dann wär dieser Punkt auch geklärt. Wundert es mich eigentlich noch, dass er, wie immer, für sein Versagen und seine Labilität andere Schuldige sucht?
Unseren geplanten Urlaub im September kann ich mir von der Backe putzen - glücklicherweise hab ich noch keinen Antrag bei meinen Cheffe gestellt. Als ob es mir einer gesagt hätte… Diese Tage brauch ich bestimmt noch für den Umzug!
Eines Abends kommt die Tochter mit Freund vorbei. Sofort zieht er sie auf die Seite, um ihr von den schlimmen Verhältnissen zu berichten: "Ach deine Mutter regt sich halt immer auf, wenn ich mal ein Bier trinke." Die Untertreibung des Jahrhunderts, wie immer halt…
Und wenn ich noch was an ihm hasse, dann ist es sein Sprechdurchfall: Erzähl ihm was, und es bleibt zwischen uns zweiunddreißig… Seine Mutter und seine Schwestern sind hundert pro schon über jedes Detail informiert - natürlich so modifiziert, dass er nur ein armer Hanswurst, ein Märtyrer ist, der mit so einer Xanthippe gesegnet ist.
Zwei weitere Tage vergehen mit eisigem Schweigen. Dann kommt eines Morgens in der Firma ein Anruf. Auf meinem Display sehe ich: Begatterich ist dran. Deshalb hebe ich schon gar nicht erst ab - ich kann im Moment einfach nicht mit ihm reden. Obwohl ich weiß, dass viele Dinge im Vorfeld geklärt werden müssen - immerhin lassen sich 20 Jahre Beziehung nicht so einfach abschütteln und vieles muss auseinander dividiert werden. Und da mein ich nicht nur die materiellen Dinge… *traurigbin*
Eine halbe Stunde später steht er plötzlich hinter mir. Nein, nicht mit einem Blumenstrauß - die Nummer hat noch nie gezogen - sondern mit einem zerknirschten Gesicht, einer Butterbrezel, einem Multisaft und einer dicken Entschuldigung: "Ich weiß wirklich nicht, warum ich alle diese Sachen zu dir sage, wenn ich betrunken bin."
"Da hab ich doch eine saugute Idee, wie wir das umgehen können: Ich hör es nicht mehr, wenn ich weg bin. Die andere Alternative, nicht mehr zu saufen, hältst du eh nicht durch."
"Ich liebe dich und will dich unter keinen Umständen verlieren. Ich will keine Trennung - ich will dich, will aufhören mit trinken und will mit dir in Urlaub fahren. Und wenn wir aus dem Urlaub zurück sind, geh ich wieder in Therapie, die hat mir schon mal geholfen."
Diese Vorstellung dauert noch einige Tage mit immer neuen Akten. Er erklärt mir auch, dass er oft zur Belohnung trinkt, dass dieses Glücksgefühl, etwas geschafft zu haben, ihn zur Flasche treibt. Zur Erklärung: Er arbeitet sehr viel am und im Haus, ist sehr fleißig und immer darauf bedacht, alles in Schuss zu halten, zu hegen und zu pflegen. Alles muss peinlich sauber und aufgeräumt sein - ich denke, er hat auch was von einem worcalholic.
Es kommt wie es kommen muss: ich lass mich weichklopfen und fange wieder an, zu glauben. Und reiche 1 Tag vor dem ursprünglich geplanten Urlaub doch meinen Antrag ein. Der Camper wird gepackt und abfahrbereit gemacht.
Nur ein Arbeitstag trennt mich noch von der heiß ersehnten Erholung - nicht ohne die ständige Angst vor einer schlimmen Enttäuschung, einem Absturz im Hinterkopf. Im Halbschlaf bekomme ich sogar noch mit, dass sich neben mir was rührt, dass Begatterich also mal wieder den Weg ins Ehebett gefunden und nicht die Nacht, wie immer, auf der Couch verbringt.
To be continued…
… sagt Knubbel
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